Nachhaltige Lebensstile

 

Read in English: Sustainable Lifestyles

Angesichts der großen ökologischen Krisen ist ein umfassender Umbau unserer Industriegesellschaft nötig. Laut dem International Panel for Climate Change (IPCC) – der höchsten wissenschaftlichen Autorität bezüglich der Erforschung des Klimawandels – verlangt allein die Eindämmung der Klimaerwärmung auf 2 °C, dass die Industrieländer ihre Emissionen bis 2050 um bis zu 95 % mindern. Dies wird eine andere Welt als die jetzige sein. Die Industrieländer sind mit weiteren tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert: dem demographischen Wandel, zunehmend individualisierten Lebensstilen, dem Zerfall des Modells „Kleinfamilie“ und einer steigenden Einkommensungleichheit. Soziale Sicherungssysteme für Gesundheit, Pflege und Rente werden wahrscheinlich ihre Aufgaben in Zukunft nicht mehr in umfassendem Maße erfüllen. All das wird neben neuen Produktionsformen und neuen Wirtschaftsformen auch neue Lebensstile notwendig machen.

Der beabsichtigte oder erzwungene Wandel von Lebensstilen birgt großes gesellschaftliches Konfliktpotential. In der Öffentlichkeit wird ein nachhaltig orientierter Lebenswandel oft als Verzicht, Einschränkung und als Verlust von Wohlstand und Lebensqualität wahrgenommen. In der Populärkultur ist der „spaßbefreite“ Ökolebensstil beliebtes Angriffsziel. Populistische Polemiken greifen entsprechende Klischees gerne auf. Beides hinterlässt im Alltagsbewusstsein deutliche Spuren. Entsprechend wird in Medien gerne thematisiert, inwieweit ein Lebensstilwandel zu mehr Nachhaltigkeit überhaupt wünschenswert und durchsetzbar ist. Die Wirtschaftskrise und die öffentliche Forderung, dass nun Umweltschutz zugunsten des Wirtschaftswachstums zurückstehen muss, geben dieser Ansicht weitere Nahrung.

Nicht nur in der aktuellen Diskussion zur ökologischen Gestaltung der Stromversorgung und der Landwirtschaft wird zudem Umweltschutz als zu teuer für einkommensschwache Bevölkerungsschichten gebrandmarkt. Der Einsatz und Kauf von Produkten und Dienstleistungen mit hohem Nachhaltigkeitseffekt gilt als Statussymbol: „Wer reich ist, kauft im Ökoladen und leistet sich eine Solaranlage – wer arm ist, kauft bei Aldi.“ Oder wie es eine wissenschaftliche Studie des Umweltbundesamtes formuliert: „Es zeigt sich in der Tat, dass sich Menschen vor allem aus den Milieus der Etablierten, Konservativen und Postmateriellen beim Einkauf stärker an ökologischen und sozialen Kriterien orientieren als die Milieus am ökonomischen und soziokulturellen Rand der Gesellschaft, vor allem Hedonisten und Konsum-Materialisten, aber auch Experimentalisten.“

Unternehmen haben in den letzten Jahrhunderten durch Dienstleistungen und Güter, die lebensstilverändernde Technologien nutzen oder verbreiten, massiv zu der Veränderung von Lebensstilen beigetragen. Der Fernseher, das Auto, Internet, und nicht zuletzt das Smartphone sind dafür Beispiele. Gerade marktwirtschaftliche Unternehmen taten dies jedoch oft blind, das heißt ohne die Folgen ihrer Angebote auf die Veränderung von Lebensstilen zu reflektieren oder zu beabsichtigen.Unternehmen können sozial und ökologisch nachhaltige Lebensstile verbreiten, in dem sie Produkte entwickeln, die neue Praktiken stützen.

 

Aktivitäten

  • 2015/2016 – Neue Gemeinschaftlichkeit zur Wiederbelebung sozial und demografisch entleerter Räume
    Dieses durch das Umweltbundesamt geförderte Forschungs- und Dialogprojekt widmet sich dem Phänomen, dass viele kleinere Städte und ländliche Regionen von Abwanderung und Überalterung betroffen sind. e5 wird in Workshops und Fachaufsätzen untersuchen, welchen Beitrag gemeinschaftliche Lebensstile für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung in diesem Zusammenhang spielen können. Das Projekt ist Teil einer größeren Kooperation mit dem Global Ecovillage Network of Europe (GEN Europe) unter dem Titel: „Urbane Resilienz und neue Gemeinschaftlichkeit“. Mehr Informationen hier.

 

  • 2013/2014 – Nachhaltige Lebensstile durch Gemeingüter-Ökonomie.
    Dieses Forschungs- und Dialogprojekt untersuchte die nachhaltigen Wirtschaftsweisen und die Gemeingüterökonomie, die in Ökodörfern und anderen intentionalen Gemeinschaften praktiziert werden. Wie pflegen solche „ökologischen Lifestyle-Avantgarden“ gemeinsame Güter? Das Projekt ist Teil einer größeren Kooperation mit dem Global Ecovillage Network of Europe (GEN Europe) unter dem Titel: „Ökodörfer als Modelle gelebter Nachhaltigkeit“. Mehr Informationen hier.

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