Energieinfrastruktur als Gemeingut?

 

Grundzüge und Elemente einer gemeingüterbasierten Energiewirtschaft
Experten-Workshop über die Zukunft der Energieinfrastruktur
Berlin, 6. April 2011 von 10.00 Uhr – 18.00 Uhr

veranstaltet durch
Heinrich Böll Stiftung und e5
Leitung: Silke Helfrich & Julio Lambing

 

Die Bekämpfung des Klimawandels stellt die Gesellschaft und damit auch die Energiewirtschaft vor enorme Herausforderungen. Die Tatsache, dass und wie die Strommärkte liberalisiert sowie die Versorgungsunternehmen und die Strominfrastruktur privatisiert sind, bremst derzeit diesen Umbau des Energiesystems. Es herrscht ein Investitionsstau sowohl bei Erzeugungsanlagen wie bei Stromnetzen.

Auch bei der Schaffung von Akzeptanz für neue Investitionsvorhaben ist die Situation nicht rosig: Den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft ist derzeit nicht klar, ob und wie für die Belastungen durch neue Energieinfrastruktur eine gesellschaftliche Grundakzeptanz gewährleistet werden kann, was auch mit fehlenden Partizipationsmöglichkeiten der Energienutzer bei der Gestaltung der Energieversorgung zu tun hat. Privatisierte Stromunternehmen haben zudem in einem liberalisierten Strommarkt kein ernstzunehmendes Interesse an wirklicher Reduktion des gesamtgesellschaftlichen Stromverbrauchs, was den Klimaschutz ebenfalls behindert.

Zuletzt birgt eine Energiewirtschaft, die zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien beruht, eine neue Produktionslogik, die sich von dem Knappheitskonzept herkömmlicher wirtschaftlicher Strategien deutlich unterscheidet.

Können auf der Grundlage der bisher vorherrschenden privatwirtschaftlichen Formen der Energieversorgung solche Herausforderungen des Klimawandels wirklich bewältigt werden? Welche Alternative gibt es? Bieten staatliche Eignerstrukturen tatsächlich die Innovationskraft und die Effizienz, die wir brauchen? Ist es denkbar, dass der Gemeingüteransatz diese binäre Struktur überwindet, und kann er Impulse für neue, effektivere Modelle geben? Beim Umbau der Energiewirtschaft bergen Organisationsformen, die sich an dem Gemeingüteransatz orientieren, die Chance, die binäre Struktur der Privatisierungsdiskussion zu überwinden und Impulse für neue Modelle zu geben, die jenseits von Markt und Staat und in Ergänzung von staatlichen und privatwirtschaftlichen Ansätzen agieren. Dies soll untersucht werden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein einheitlicher Organisationsansatz der Energiewirtschaft eine Antwort auf alle Probleme ist.

Eine interdisziplinäre Runde von etwa 25 Energieexpert/innen und commoners hat sich deshalb in dem Workshop die Frage gestellt, ob und wie unsere Energieinfrastruktur als Commons (Stromallmende) denkbar ist.

 

Programm:

9:30 Uhr Kaffee & Snack
10:00 Uhr Eröffnung durch Barbara Unmüßig (hbs) & Sebastian Gallehr (e5)
10:15 Uhr Kennenlernen
10:45 Uhr Was mehr wird, wenn wir teilen“ Die Komödie der Gemeingüter. Eine Einführung in die Thematik Silke Helfrich, Commons Strategies Group
11:15 Uhr Wie funktioniert die Energiewirtschaft? Eine Einführung: Energieinfrastruktur, Märkte, Funktionsweisen Hans Joachim Ziesing, Senior Advisor Ecologic Institute
12:00 Uhr Mittagessen & Smalltalk
13:15 Uhr (Wie) Funktioniert der liberalisierte Strommarkt? Dr. Helmuth Großcurth, arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik
14:30 Uhr Das Management des Überflusses . Gedanken zur Funktionslogik einer auf Erneuerbaren Energien beruhenden Stromversorgung Sebastian Gallehr, e5
15:45 Uhr Kaffee & Kuchen
16:00 Uhr Energie prosumieren. Gemeingüterbasierte Energieinfrastrukturen und Nutzungsrechte Bene Müller, Solarkomplex AG
17:15 Uhr Fazit & Perspektiven
18:00 Uhr Schlussworte von Barbara Unmüßig (hbs) & Sebastian Gallehr (e5)

 

Materialien:

Das detaillierte Konzept des Workshops finden Sie hier.
Die Liste der TeilnehmerInnen finden Sie hier.
Das Programm finden sie hier.

 

Im Rahmen des Projektes und im Auftrag der Heinrich Böll Stiftung ist ein Arbeitspapier von Julio Lambing veröffentlicht worden, das die Diskussion zusammenfasst und fortgeführt hat: „Bausteine für eine Stromallmende. Wege in eine neue Industriegesellschaft“. Der Aufsatz ist Teil des am 17. April 2012 erschienenen Buches „COMMONS – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“. Mehr dazu hier.