Klimafreundlicher Technologietransfer: Alternative Formen von Austausch und Gewinn

 

Ein Experten-Roundtable zum Thema Klimagerechtigkeit

Datum: 08. Juli 2009
Zeit: 13.30 – 18.30 Uhr
Ort: Bonn, Deutsche Telekom AG, Friedrich-Ebert-Allee 71-77

 

Zur Förderung und breiten Etablierung von klimafreundlichem Technologietransfer in Schwellen- und Entwicklungsländer sind neue Modelle und Instrumente erforderlich, die – jenseits von wohlfahrtlichen Spendenmodellen – Win-Win-Situationen für alle Beteiligten schaffen: für Entwicklungs- und Schwellenländer durch Förderung und Beschleunigung der klimafreundlichen Entwicklung ihrer Wirtschaft, für die Unternehmen in Industrieländern, die klimafreundliche Technologien zur Verfügung stellen, durch die Etablierung solider Geschäftsmodelle im Bereich des klimafreundlichen Technologietransfers.

Seitens der Wirtschaft stellt sich die Frage, wie solche Geschäftsmodelle zustande kommen sollen, wenn sie sich zwar sehr interessierten Abnehmern ihrer Produkte gegenübersieht, deren finanzielle Mittel aber sehr eingeschränkt sind und denen zudem noch Wissen und Know-How zur Anwendung, Wartung und Weiterentwicklung zur Verfügung gestellt werden muss.

Prinzipiell ist davon auszugehen, dass auf beiden Seiten – bei Unternehmen, die über klimafreundliche Technologien verfügen, und bei deren potentiellen Abnehmern – großes Interesse am Zustandekommen des Transfers besteht. Es liegt auf der Hand, dass die Wirtschaft selbst am besten weiß, wie Modelle beschaffen sein müssen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Wenn das übliche Procedere des Abverkaufs nicht in Frage kommt, gilt es, über andere Dividendenformen nachzudenken und diese in Businessmodelle umzusetzen. Ware gegen Geld ist nur eine mögliche Form des Tauschs. Unternehmen sind darauf angewiesen, Wissen zu generieren oder zu erwerben, Innovationen hervorzubringen, neue Märkte zu erschließen sowie ihre bestehende Marktposition auszubauen und nicht zuletzt selbst Waren, Rohstoffe und Dienstleistungen einzukaufen. All diese Bereiche bieten Raum für mögliche alternative Formen von Dividenden.

Der Transfer klimafreundlicher Technologien in Entwicklungs- und Schwellenländer bietet ein bisher weitgehend ungenutztes Potential, solche alternativen Gewinnpotentiale zu erschließen und auf diese Weise zu Win-Win-Lösungen für alle Beteiligten zu gelangen. Der Roundtable „Alternative Formen von Austausch und Gewinn“ soll die Möglichkeiten alternativer Formen des Tauschhandels im Rahmen des klimafreundlichen Technologietransfers ausloten und ihre Umsetzbarkeit in Businessmodelle skizzieren. Das Zusammentreffen von Vertretern der klimafreundlichen Wirtschaft und Experten für Entwicklungszusammenarbeit sowie des Klimaschutzes soll gewährleisten, dass die vorgestellten Ideen und Ansätze für alle Beteiligten realistisch und möglichst für den gesamten Prozess der Implementierung klimafreundlicher Technologien in den Empfängerländern tragfähig und konstruktiv sind.

Im Vorfeld des Roundtables wird ein Positionspapier von e5 zum Thema Klimagerechtigkeit als Diskussionsgrundlage zur Verfügung gestellt. Kurze Einführungsreferate werden verschiedene Aspekte des Themas vorstellen, um dann in einem offenen Diskussionsprozess Standpunkte, Erfahrungen und Ideen auszutauschen und erste Ideen für Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der Dialog wird nicht-öffentlich sein, es werden 20 bis 25 Teilnehmer erwartet.

Diskussionsleitende Fragen sind etwa:

  • Die nicht-industrialisierten armen Länder sind für europäische Unternehmen die Märkte von morgen und übermorgen – vorausgesetzt sie entwickeln sich wirtschaftlich. Wie kann das Interesse an lohnenden zukünftigen Märkten mit einem Interesse verbunden werden, Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern radikal zu entkoppeln?
  • Wie kann Wirtschaft auch jenseits des unmittelbaren Abverkaufs zur flächendeckenden Verbreitung von klimaschonenden Technologien beitragen? Was für Modelle sind denkbar, wie sähen Win-Win-Situationen aus?
  • Wie sind die derzeit auf den Klimaverhandlungen angesprochenen Modelle und Ansätze zum Technologie Transfers zu bewerten? Welche Korrekturen, Feinjustierungen benötigen sie? Welche Alternativen sind möglich?
  • Wie kann die Politik diese Ansätze der Wirtschaft unterstützen? Welche Forderungen ergeben sich daraus an die Rahmengestaltung?

Bisher ist es bei den internationalen Klimaverhandlungen nicht gelungen, Rahmenwerke und Instrumente zu schaffen, die den klimafreundlichen Technologietransfer wesentlich voranbringen konnten. Hier ist auch die Wirtschaft mit kreativen Modellen und Lösungsvorschlägen gefragt. Ziel des Roundtables ist es, Ideen für konkrete und realistische Geschäftsmodelle für den klimafreundlichen Technologietransfer zu entwickeln, die möglichst für den gesamten Prozess des Transfers bis zur Anwendung der Technologie vor Ort tragfähig sind. Auf der Grundlage dieser Modelle wird e5 ein Memorandum erarbeiten. Darin werden Empfehlungen an die Politik formuliert, wie die politischen Rahmenbedingungen national und international zu gestalten sind, damit solche Geschäftsmodelle praktisch umsetzbar sind. Die Ergebnisse werden auf einer Konferenz im Spätherbst der Politik und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

 

Materialien:

Hintergrundpapier: Klimagerechtigkeit als Anliegen der deutschen Wirtschaft – eine Einführung in politische Hintergründe und Probleme des Technologietransfer
Hans Schuhmacher, Policy Analyst e5
Präsentation: Businessmodelle für Wissensaustausch und Innovation – Vorläufige Schlussfolgerungen aus dem ersten Roundtable
Gudrun Merkle, Project Manager e5
Präsentation: Desertec ebnet den Weg für eine EU-MENA Partnerschaft für erneuerbare Energien
Dr. Ing. Hani El Nokraschy, Vice-Chairman of Supervisory Board of Desertec Foundation
Präsentation: Vorschläge für eine Strom-Kooperation EU-Mena
Dr. Ing. Hani El Nokraschy, Vice-Chairman of Supervisory Board of Desertec Foundation
Präsentation: Erneuerbare Energie-Währungen für eine strukturelle Nachhaltigkeit – Neue Basis für Wertschöpfung und Austausch
Kay Voßhenrich, Geschäftsführer Solar Progress GbR und Mitgründer Regioprojekt e.V.

 

Förderung durch das Bundesumweltministerium