Klimafreundlicher Technologietransfer: Businessmodelle für Wissensaustausch und Innovation

 

Ein Experten-Roundtable zum Thema Klimagerechtigkeit</strong>

Datum: 25. Juni 2009
Zeit: 13.30 – 18.30 Uhr
Ort: FutureCamp GmbH, Chiemgaustr. 116, 81549 München

 

Ein wichtiges Element der Marktposition der deutschen Wirtschaft ist der technologische Vorsprung bestimmter Unternehmen und Industriezweige, der nicht zuletzt ein Wissensvorsprung ist. Selbstverständlich ist die Wirtschaft bestrebt, diesen Wissensvorsprung auszubauen und zu schützen.

Die Erfordernisse des globalen Klimaschutzes scheinen zunächst im Gegensatz dazu zu stehen, denn für die klimafreundliche wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungs- und Schwellenländern ist es notwendig, neben klimafreundlicher Technologie auch breites Wissen zur Verfügung zu stellen: Anwendungs- und Wartungswissen für die Nutzung der Technologie ebenso wie Entwicklungswissen, das es ermöglicht, in Industrieländern entwickelte Technologie an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen und selbständig weiter zu entwickeln. Die Preisgabe dieses Wissens ist auf Seiten der Industrie oft mit der Befürchtung verbunden, damit die eigene Marktposition zu gefährden und auf den Kosten für Forschung und Entwicklung sitzen zu bleiben.

Andererseits entsteht durch die Beschäftigung mit der Technologie, durch ihre Anpassung und Weiterentwicklung in den Ländern des Südens aber auch neues Wissen und Innovationspotential, das den Entwicklern und Firmen der Industrieländer wieder zugute kommen könnte. Dies kann zudem die Einführung von Standards und Produkten erleichtern, die Marktpräsenz verstärken und so Folgegeschäfte ermöglichen, was wesentlich lukrativer sein kann als das Beharren auf einem direkten Abverkauf und das Zurückhalten von Wissen.Das bedeutet, dass der Austausch von Wissen mit Partnern in Entwicklungs-und Schwellenländern erhebliche Vorteile für die Unternehmen mit sich bringen kann, selbst wenn diese zunächst einmal Wissen investieren. Ein Beispiel für solche Wissensdividenden stellt der Open-Source-Sektor dar, der Wissen offenlegt und in Entwicklercommunities investiert und dabei auf die Weiterentwicklung und Verbreitung durch Entwickler und engagierte Anwender setzt. In der Folge entstehen Standards, Weiterentwicklungen und neue Innovationen, die von den beteiligten Firmen genutzt werden können. Entsprechende Businessmodelle in der IT-Branche setzten ganz bewußt auf diese Entwicklungsdynamik.

Open Source ist nur ein Beispiel für den innovativen Umgang mit Wissensaustausch, es gibt auch andere Ansätze mit übergreifendem Nutzen. Fest steht: Soll der Transfers von klimafreundlichen Technologien stattfinden, sind vergleichbare Businessmodelle mit ähnlichen Win-Win-Effekten (und wünschenswerterweise auch ähnlichen Innovationsdynamiken) eine sinnvolle privatwirtschaftliche Antwort auf Prozesse der Wissensvermittlung durch Entwicklungshilfe und Institutionen der öffentlichen Hand.

Der Roundtable „Klimafreundlicher Technologietransfer: Businessmodelle für Wissensaustausch und Innovation“ soll untersuchen, inwieweit Konzepte zum Austausch und zur Vermehrung von Wissen valide Elemente von Businessmodellen sein können und wie diese Modelle beschaffen sein sollten, um Gewinne für alle Seiten zu ermöglichen und den klimafreundlichen Technologietransfer effektiv zu stärken. Das Zusammentreffen von Vertretern der klimafreundlichen Wirtschaft und Experten für Entwicklungszusammenarbeit sowie des Klimaschutzes soll gewährleisten, dass die vorgestellten Ideen und Ansätze für alle Beteiligten realistisch und möglichst für den gesamten Prozess der Implementierung klimafreundlicher Technologien in den Empfängerländern tragfähig und konstruktiv sind.

Im Vorfeld des Roundtables wird ein Positionspapier von e5 zum Thema Klimagerechtigkeit als Diskussionsgrundlage zur Verfügung gestellt. Kurze Einführungsreferate werden verschiedene Aspekte des Themas vorstellen, um dann in einem offenen Diskussionsprozess Standpunkte, Erfahrungen und Ideen auszutauschen und erste Ideen für Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Leitfrage der Veranstaltung ist: „Was ist der Business Case bei der Klimagerechtigkeit ?“

Weitere diskussionsleitende Fragen sind etwa:

  • Die nicht-industrialisierten armen Länder sind für europäische Unternehmen die Märkte von morgen und übermorgen – vorausgesetzt, sie entwickeln sich wirtschaftlich. Wie kann das Interesse an lohnenden zukünftigen Märkten mit einem Interesse verbunden werden, Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern radikal zu entkoppeln?
  • Wie kann Wirtschaft auf die Forderung der Entwicklungsländer nach Freigabe von Patenten im Bereich von kohlenstoffarmen Technologien proaktiv reagieren? Inwieweit ist die Wirtschaft auf ein Payback für ihre Innovationen angewiesen und wie kann dieser gestaltet werden? Gibt es eine Win-Win-Situation für beide Seiten?
  • Technologie Tranfers setzt voraus, das überhaupt gewußt wird, welche Technologien in welchem Bereich sinnvoll und verfügbar sind und wie sie angewendet werden. Wie kann Wirtschaft zu einem entsprechenden Capacity Building beitragen?
  • Wie sind die derzeit auf den Klimaverhandlungen angesprochenen Modelle und Ansätze zum Technologie Tranfers zu bewerten? Welche Korrekturen, Feinjustierungen benötigen sie? Welche Alternativen sind möglich?
  • Wie kann die Politik diese Ansätze der Wirtschaft unterstützen? Welche Forderungen ergeben sich daraus an die Rahmengestaltung?

Anfahrtsbeschreibung
Die Veranstaltung findet in den Räumen der FutureCamp GmbH statt. Das Unternehmen ist Gastgeber des Roundtables, identifiziert sich aber nicht notwendigerweise mit den dort behandelten Inhalten und dargelegten Standpunkten. Futurecamp bietet strategische Beratungsleistungen und operative Unterstützung in den Kompetenzfeldern Emissionshandel, Klimaschutz, Innovations-Management und Businessinkubation an. Mehr Informationen über FutureCamp finden Sie hier.

Anfahrtsbeschreibung hier

Materialien:

Hintergrundpapier:
Klimagerechtigkeit als Anliegen der deutschen Wirtschaft – eine Einführung in politische Hintergründe und Probleme des Technologietransfer
Hans Schuhmacher, Policy Analyst e5
Präsentation: „Klimaschutz versus Recht am geistigen Eigentum?“
Friedel Hütz-Adams, Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene
Präsentation: „Freie/Open Source Software in Afrika – Perspektive Wirtschaftsförderung und Innovation“
Andrea Goetzke, Newthinking Communications

 

Förderung durch das Bundesumweltministerium